Saison des Lebens

Neumarkt März 2021

1.FC Neumarkt Süd 89/90: Als die Hasenheide sonntags bebte

"Saison des Lebens"

Jeder, der Fußball gespielt hat, kennt sie: Die „Saison des Lebens“. Eine Spielzeit voller Erinnerungen an eine große Mannschaft, einen tollen Trainer; an Tore, die so niemand mehr schoss, an Spiele, die so niemals wieder gewonnen wurden. In einer Serie widmen wir uns genau diesen Geschichten und lassen diejenigen erzählen, die damals ihre „Saison des Lebens“ feierten. So wie Wolfgang Geisinger 1989/90 mit dem FC Neumarkt Süd.

 / © Geisinger/ privatDie Vorsitzenden Peter Hofmann, Toni Lein (v.li.) sowie Co-Trainer Manfred Hofman (v.re.), Chefcoach Oswald Fink und Spielleiter Kurt Weichselbaum rahmen die erfolgreiche Auswahl des FC Neumarkt Süd. 

Bevor der Sieg bei den Neumarkter Stadtmeisterschaften dem Sommer des Glücks die Krone aufsetzte, war geduldige Aufbauarbeit gefragt. In der Hasenheide, wo heute in unmittelbarer Nachbarschaft eher im Mountainbike-Park spektakuläre Sprünge auf der Tagesordnung stehen, musste nach Gründung des Stadtteil-Vereins 1969 erst eine Jugendgeneration heranreifen, um die erste Fußballmannschaft auf ein ungekanntes Niveau zu hieven.

Nach dem Aufstieg in die B-Klasse 1983 feierten die Süder zwei Jahre später den Sprung in die A-Klasse und sicherten sich auf heimischem Platz im Elfmeterschießen gegen den Branchenprimus ASV Neumarkt auch noch erstmals den prestigeträchtigen Titel bei der Stadtmeisterschaft. 1986 stieß der zuvor beim ASV aktive, jedoch in der Hasenheide aufgewachsene Wolfgang Geisinger zur fast ausschließlich mit Eigengewächsen gespickten Gruppe, die über ihre kollegiale Geschlossenheit punktete und mit jedem Sieg mehr Selbstvertrauen entwickelte. Spätestens 1988 rückte sogar die Bezirksliga in greifbare Nähe, scheiterte der FC erst in der Relegation am FC Schnaittach.

Die gestiegene Erwartungshaltung für die folgende Runde zeigte sich in der treuen Anhängerschaft von 300 bis 400 Köpfen, die regelmäßig zu den Heimspielen im Waldstadion vorbeischaute und nicht selten auf fremden Plätzen ebenfalls in dreistelliger Zahl für Stimmung sorgte. „Bei uns haben immer alle gewusst, dass sie etwas geboten bekommen. Außerdem hatten wir eine sehr gute Vereinswirtschaft“, berichtet Defensivmann Geisinger. Schon in der Halbzeitpause hätten die Frauen und Freundinnen die Plätze reserviert. „Wer danach kam, der musste an der Theke Platz nehmen oder stehen, so voll war es. Die Sitzungen nach den Spielen dauerten dann schon mal bis in die Morgenstunden hinein.“ Im sportlichen Bereich bewiesen die Schützlinge von Trainer Oswald Fink ebenfalls einen langen Atem, rangen viele Gegner durch ihre läuferische Überlegenheit in der zweiten Hälfte nieder. „Wir haben im Sommer wie im Winter sehr hart an unserer Ausdauer trainiert, auch Kondition mit dem Ball und Kombinationsspiel“, erinnert sich Geisinger.

Als weiteren Faktor nennt der 63-Jährige die offensiven Qualitäten. Allein in der Hinrunde 1989 schoss Harald Eiles 19 Tore, auch Christian Stigler und Wolfgang Forster trafen je 14 Mal. Hinten wussten sie sich wiederum auf Jochen Pucknus zu verlassen, der zu den besten Torhütern im Landkreis zählte und mit besonderen Paraden auf der Linie glänzte.

So kamen die Süder nach einem zähen Start mit einem Sieg und zwei Unentschieden schließlich ins Rollen, führten die Halbzeit-Tabelle mit drei Punkten Vorsprung an und besiegelten die Meisterschaft auch ohne den verletzten Torjäger Eiles am vorletzten Spieltag mit einem 3:1 gegen die DJK Allersberg. Die Festivitäten fanden im Juli mit dem nächsten Erfolg gegen Pölling im Finale um die Stadtmeisterschaft ihre Verlängerung, ehe der raue Bezirksliga-Alltag Einzug hielt. Der Neuling schlug sich in vielen Partien achtbar, kam aber oft nicht über ein Unentschieden hinaus. Immerhin, betont Wolfgang Geisinger, „der Abstieg war kein Beinbruch, der Großteil der Mannschaft blieb zusammen“ und etablierte sich für einige Jahre in der A-Klasse. 

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